Landesmusikrat zur Reform der Profiloberstufe

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Schleswig-Holstein reformiert die Profiloberstufe. "Wir wollen für die Abiturientinnen und Abiturienten mehr fachliche Vertiefung und eine bessere Vergleichbarkeit mit den anderen Bundesländern" so Bildungsministerin Prien. Der Landesmusikrat hebt in seiner Stellungnahme die Bedeutung der ästhetisch-künstlerischen Bildung hervor und kritisiert daher die geplante erhöhte Arbeitslast für Schüler*innen im "ästhetischen Profil" ebenso wie die Vernachlässigung der ästhetischen Fächer in den anderen Profilen. "Die mit der Reform einhergehende längere Präsenzzeit in der Schule bedeutet weniger Raum für freie Bildungs- und Kulturaktivitäten wie beispielsweise den Besuch einer Musikschule oder die regelmäßige Übezeit am Instrument" befürchtet Musikratspräsident Dr. Mader Auswirkungen der Reform auf die außerschulische kulturelle Bildung.

Der Wortlaut der Stellungnahme:

Sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Frau Prien,

längst ist die Erkenntnis eine Selbstverständlichkeit, dass die ästhetischen Fächer - und hier ausdrücklich auch Musik - besonders positive Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen haben. Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie diesen Aspekt anlässlich unserer Mitgliederversammlung im Mai in Ihrem Impulsreferat in den Mittelpunkt gerückt haben.

Der Musikunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen ist jedoch leider immer noch problematisch. Umso erfreuter sind wir, dass Sie, in Absprache mit den Fachverbänden und dem Landesmusikrat als Dachverband, sich dieser Problematik annehmen wollen. In diesem Sinne und auch auf Wunsch unserer Mitgliedsinstitutionen und -verbände, möchten wir zu der geplanten Neuordnung der Oberstufe Stellung nehmen. Wir sehen für die Stärkung der musischen Fächer einige dringend zu lösende Probleme:

„Stündigkeit“ im ästhetischen Profil

Die berufliche Ausbildung zur Musiker*in ist durch die allgemeinbildende Schule nur sehr bedingt vorzubereiten. Die Aufnahmeprüfungen der Musikhochschulen sowohl in pädagogischen als auch in rein künstlerischen Studienfächern setzen eine langjährige privat organisierte und finanzierte Ausbildung an Musikschulen oder bei privaten Anbietern voraus. Der tägliche Zeiteinsatz der Schülerinnen und Schüler, die sich auf ein solches Studium vorbereiten, ist erheblich. Daher ist die Belastung des ästhetischen Profils in der Oberstufe mit einer erhöhten „Stündigkeit“ im Vergleich zu den anderen Profilen eine zusätzliche Erschwernis dieses Ausbildungsweges und sollte unbedingt vermieden werden. Auch steht der unterschiedliche Zeiteinsatz für die Profile einer Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler entgegen. Der Bundesverband Musikunterricht hat in seiner Stellungnahme dargelegt, wie die „Stündigkeit“ auch für das ästhetische Profil auf ein vergleichbares Niveau zu bringen ist.

Ästhetische Fächer in anderen Profilen

Die „creative industries“ sind eine der am stärksten wachsenden Branchen der letzten Jahre, Prognosen sehen weitere Steigerungen in diesem Bereich voraus. Ästhetische Aspekte durchziehen verstärkt auch andere Wirtschaftsbereiche, beispielsweise die IT. Diese Entwicklungen werden in der geplanten Reform der Oberstufe nicht aufgegriffen. Die Belegpflichten für alle Profile mit Ausnahme des ästhetischen Profils sehen eine Belegung von Musik - oder anderen künstlerisch-ästhetischen Fächern - bis zum Abitur nicht vor.

Mündliches Prüfungsfach

Wir begrüßen die Möglichkeit „Darstellendes Spiel“ als mündliches Prüfungsfach mit einem theoretischen und einem praktischen Teil zuzulassen, wie es jetzt schon für das Fach Sport vorgesehen ist. Diese Zulassung sollte es auch für Musik geben, insbesondere im Hinblick auf ein anschließendes Studium der Prüflinge, bei dem der praktische Teil des Musizierens im Zentrum steht.

Schulische Präsenzzeiten und Freistunden

Nach Einschätzung Ihres Ministeriums werden die Stundenpläne durch die geplante Reform komplizierter und daher werden eine längere Präsenzzeit in der Schule und zusätzliche Freistunden nicht zu vermeiden sein. Eine längere Präsenzzeit bedeutet aber weniger Raum für freie Bildungs- und Kulturaktivitäten wie beispielsweise den Besuch einer Musikschule oder die regelmäßige Übezeit am Instrument.

In diesem Zusammenhang erscheint es uns sinnvoll, profilergänzenden Unterricht, wie z.B. Instrumentalunterricht bereits in die Oberstufenverordnung mit aufzunehmen. Im Bereich der geplanten Seminare zur beruflichen Orientierung würden die Musikschulen dann auch als Kooperationspartner in Betracht kommen.

Wir bitten Sie, die Auswirkungen für den Musikunterricht in Ihren Reformplanungen zu berücksichtigen und verweisen dabei ausdrücklich auch auf die Stellungnahmen unserer Mitgliedsorganisationen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Dr. Volker Mader
- Präsident -

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