Mensch Musik! Shaul Bustan und Musik als Begegnung
„Konzerte sind für mich ein Dialog mit dem Publikum“, sagt der Instrumentalist, Komponist und Chorleiter Shaul Bustan. Darum steht er vor seinen Auftritten am liebsten selbst am Eingang, begrüßt die Gäste, spricht mit ihnen, wünscht viel Freude. Und nach sucht er das Gespräch, als Fortsetzung des gemeinsamen musikalischen Moments.
Der 1983 geborene Shaul Bustan begann mit der Mandoline, fand über den Kontrabass schließlich zur persichen Kurzhalslaute Oud. Schon früh fand er sein Interesse, selbst zu komponieren und suchte nach Klängen, die Grenzen überschreiten: Klassische Avantgarde, Weltmusik, Jazz und freie Improvisation fließen in seiner Tonsprache ineinander und bilden eine Klanglandschaft, die Begegnung hörbar macht. Seine Mutter stammt aus einer persischen Familie, sein Vater aus einem osteuropäischen Elternhaus – zwei kulturelle Welten, die in seiner Kindheit aufeinandertrafen und sich in seiner Musik bis heute spiegeln.
Auch in seiner pädagogischen Arbeit geht es Bustan um den Austausch. „Wir sind nicht da, um einfach nur zu trainieren, sondern um zu lernen – über Musik, über Kultur, über all das, was dazugehört“. In seinen Kompositionswochenenden schreiben Jugendliche und Erwachsene gemeinsam Stücke, die am Ende von professionellen Musiker\:innen aufgeführt werden. Immer ein ganz besonderes Erlebnis für die jungen Teilnehmenden.
Seit seinem Masterabschluss in Komposition an der Jerusalem Academy of Music and Dance (2009) arbeitet Bustan international: mit Orchestern wie dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Deutschen Kammerorchester Berlin oder dem EOS Kammerorchester Köln. 2023 präsentierte er im Großen Saal der Berliner Philharmonie eigene Werke als Oud-Solist. Für seine Kompositionen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.
Bei aller internationalen Anerkennung bleibt der Dialog vor Ort sein Antrieb. Als Chorleiter versteht er sich nicht als strenger Dirigent, sondern als Begleiter. „Ich bringe den Leuten Musik nahe. Mit Spaß, mit Ernst, und mit der Erfahrung, die ich habe“. Seit 2021 baut er mit dem Ensemble Flensburg einen Resonanzraum für grenzüberschreitende Begegnungen auf.
So wie in seiner Musik verschiedene Stile einander bereichern, treten auch im Proberaum Menschen in einen bereichernden Dialog, die sonst vielleicht wenig Berührung hätten. „Musik entsteht dort, wo Menschen einander zuhören“ – im Konzertsaal, im Workshop oder im Chor.
Kristof Warda
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