Susanne Buchholz - Pädagogische Fachberaterin

Foto: privat

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Vielfalt! Konzerthäuser, Kirchen, Kleine Eckkneipen, Theater und Jugendtreffs: es gibt viele Orte, an denen lebendiges kulturelles Leben stattfindet. Mein persönliches Highlight sind die Landesjugendensembles: junge Menschen, die mit erstaunlichen Talenten das Publikum begeistern!

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

In Schweden habe ich erlebt, wie selbstverständlich Menschen mitten in der Öffentlichkeit für andere gesungen haben: eine Mutter hat in einem vollbesetzten Café ihr Kind mit einem Lied in den Schlaf gewiegt, ein Ehepaar in einer Kirche die trauernde Mutter mit einem Choral getröstet.

Das fehlt mir hier in Deutschland: dass Singen eine Funktion im Alltag hat, dass wir nicht nur auf der Bühne singen, sondern überall da, wo Singen Mut machen, Geschichten erzählen, berühren und trösten kann: zu Hause, auf der Straße, eben überall, wo Menschen sich begegnen.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Als Stimmvorbilder, denen Kinder genau zuhören, haben pädagogische Fachkräfte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinderstimmen.

Obwohl eine gesunde (Sprech-)Stimme in KiTa und Schule das wichtigste Arbeitsmittel überhaupt ist, wird der Umgang mit der eigenen Stimme in der Ausbildung nicht unterrichtet.

Viele ErzieherInnen haben Schwierigkeiten beim Einsatz ihrer Stimme im Arbeitsalltag: sie werden beim Vorlesen heiser, sprechen in unnatürlichen Stimmlagen, können nur mit Anstrengung die Kinder im Garten rufen und singen oft in Stimmlagen, die Kinder nicht erreichen können.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

* Stimmbildung als Pflichtbestandteil der Ausbildung für alle pädagogischen Fachkräfte
* musikfreundliche Rahmenbedingungen in Kitas schaffen (personell, materiell, baulich)
* qualifizierter Musik-& Instrumentalunterricht, den sich alle Eltern für ihre Kinder leisten können

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Im Forschungsbericht „Personalausfälle in Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein“ wurden im Jahr 2016 dramatische Zahlen zu der aktuellen Situation der Kitas vorgelegt. Seit Langem weisen Experten darauf hin, dass der Fachkraft-Kind-Schlüssel generell verbessert werden muss. Es ist an der Tagesordnung, dass ein/e ErzieherIn mit 20-22 drei-sechsjährigen Kindern den größten Teil des Tages alleine verbringt. Das muss sich dringend ändern- denn musikalische Entwicklung benötigt Begleitung und Zeit!

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