Richard Ferret - Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen

Foto: Landesverband d Musikschulen

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Das Bundesland Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine Vielfalt der Trägerschaften der Musikschulen aus. So gibt es Musikschulen in der Trägerschaft von Kreisen, Städten und Kulturstiftungen, als Unterabteilung von Volkshochschulen, als gGmbH oder als Vereine. Durch eine unterschiedlich dichte Besiedlung und Finanzkraft im Flächenland Schleswig-Holstein besteht u.a. ein Ost-West-Gefälle, das starken Einfluss auf Logistik und Personalpolitik der öffentlichen Musikschulen nimmt.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

Probleme ergeben sich durch viele Außenstellen, Fachkräftemangel, eine hohe Zahl an Honorarkräften und hohe Reisekosten. Manche Lehrkräfte haben z.B. Anfahrtszeiten über einer Stunde, um ihren Unterrichtsort zu erreichen, damit ein flächendeckendes Unterrichtsangebot gewährleistet werden kann.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Notwendig für eine effiziente Arbeit der Musikschulen im Hinblick auf die aktuellsten gesellschaftlichen Veränderungen ist eine Qualifizierung der Lehrkräfte für die folgenden Bereiche: Kooperationen mit Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, inklusiver Unterricht und Nutzung neuer Medien im Unterricht.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

Wünschenswert wären mehr Landesmittel zum einen für die Musikschulen, um die unter 3. genannten Aufgaben flächendeckend umsetzen zu können, zum anderen für den Landesverband für die Durchführung von Lehrerfortbildungen, Musikferienkursen (wie z. B. Frühlingsstreich), landesweiten Projekten und die Begabtenförderung (Studienvorbereitende Ausbildung).
Bezüglich der kommunalen Finanzierung der Musikschulen ist vorrangig der Dialog mit den Vertretern der Landesregierung und den kommunalen Verbänden (Gemeinde-, Kreis- und Städtetag) zu führen.

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Es wäre wichtig, die Musikschulen in der kommunalen Bildungslandschaft
gesetzlich zu verankern (Musikschulgesetz). Notwendig wäre ein Dialog über das
Verhältnis allgemeinbildende Schulen - Musikschulen zu einem und schulische
Bildung - außerschulische Bildung zum anderen.

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