Prof. Rico Gubler - Präsident der Musikhochschule Lübeck

Foto: Lutz Roessler

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Schleswig-Holstein ist auf den ersten Blick ein Flächen- und Urlaubsland. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass das Land Schleswig-Holstein kulturpolitisch wenig aus seinen Chancen macht. Wichtige Akteure wie das SHMF oder die Musikhochschule Lübeck sowie die städtischen Theater und weitere lokale Initiativen beleben das schleswig-holsteinische Musikleben. Die Finanzausstattung dieser elementaren Strukturen im Bereich der Laienmusik sowie der professionellen Musikvermittlung ist unzureichend. Dies hat direkte Auswirkungen auf die gesellschaftliche Teilhabe und vermindert die Erfolgschancen für die gesamte Gesellschaft.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

Für eine solide Breiten- und Begabtenförderung im Flächenland Schleswig-Holstein wächst seit einiger Zeit die Bereitschaft aller Akteure zur institutionsübergreifenden Zusammenarbeit. Am Beispiel der Musikhochschule Lübeck seien die Bereiche MusiS, Schüler-Musiktutorenprogramm, Kooperation MHL-SHMF und die Young Brass Academy genannt. Oft fehlen aber die Mittel, diese—ähnlich wie in anderen Bundesländern—umzusetzen und somit weitreichendere Effekte zu erzielen. Zudem stellen uns auch die infrastrukturellen Schwächen eines Flächenlandes vor kulturpolitische und insbesondere logistische Herausforderungen, die wir gemeinsam bewältigen müssen.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Die Musikhochschule Lübeck (MHL) engagiert sich als einzige staatliche Hochschule für Musik im Bereich der Breiten- und Begabtenförderung, nimmt ihre Aufgabe im Sinne der Beförderung von Vernetzung sowie Fort- und Weiterbildung konzeptionell wahr und setzt diese um. Damit investiert die MHL Personal und Know-how in die gesamte musikalische Bildung in Schleswig-Holstein. Ihrem Anspruch auf Vernetzung und Qualitätskontrolle der musikalischen Bildung und der für sie relevanten Berufsfelder (Musiklehrer*innenausbildung sowie Musikschulen u.a.) konnte die MHL bislang nur eingeschränkt gerecht werden. Diese Vernetzung und ein sinnvolles Qualitätsmanagement sind auf einen Qualitätssprung für das Musikleben in Schleswig-Holstein ausgerichtet und müssen von allen Institutionen und Beteiligten mitgetragen werden, um Defizite in unserem Bundesland gezielt aufzuarbeiten.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

Erstens: Die Landesregierung sollte die Zusammenarbeit der Musikhochschule mit Institutionen des Musiklebens im Lande (in den Bereichen Teilhabe und Begabtenförderung) fördern. Die bereits bestehenden Initiativen wie MusiS (Musik in Schulen) sollten gestärkt und unter Einsatz von Landesmitteln auf ganz Schleswig-Holstein ausgeweitet werden. Die begrenzten Möglichkeiten der MHL kommen im Wesentlichen den Schulen in Lübeck und Umgebung zugute. Mit der Young Brass Academy hat die MHL ein Vorzeigeprojekt im Blechbläserbereich lanciert und umgesetzt, dieses sollte auf alle Instrumente umgesetzt werden können.

Zweitens: Grundlegende Strukturen der musikalischen Bildung, wobei unter anderem die unterentwickelten Strukturen von öffentlichen Musikschulen zu nennen sind, sind konsequent und unter qualitativen Gesichtspunkten aufzubauen.

Drittens: Die Landesregierung sollte musikalische Bildung und die Pflege jeglicher Musikkultur als gesellschaftliche Aufgabe auch im Rahmen der Landesstrategie umfassender verankern und die Musikhochschule als tragendes Element in der Fort- und Weiterbildung sowie als Qualitätstreiber und –faktor einbeziehen.

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Siehe oben.

 

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