Hörbie Schmidt - Leiter der Rock- und Popschule Kiel

Foto: Hartmut Schröder

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Die Randlage von Schleswig-Holstein ist zu spüren. Das Musikleben ist sehr Klassik orientiert. Die Popmusik wird nicht gefördert und spielt in den Schulen keine nennenswerte Rolle. Die Ausfallquote im Fach Musik an Schulen ist hoch.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

Es fehlen Auftrittsorte mit angemessener Bezahlung für Profimusiker. Hutgagen werden immer mehr (Gastronomie, Stadtfeste,Kneipen, etc.).
Es gibt keinen Etat bzw. keine Förderung von der öffentlichen Hand für Clubbesitzer, Festivals, Stadtteilfesten, Jugendzentren,
etc., dass das anders geht, sieht man beispielsweise in Dänemark. Die Rock- und Popmusik erfährt keine Unterstützung durch Land, Stadt, Kommune und Landesmusikrat. Es mangelt an Proberäumen.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Profimusiker sollten - wie in Dänemark - eine Mindestgage pro Person von Euro 300 erhalten. Es sollten Anstrengungen zur Vernetzung der Popmusik unternommen werden - ein Popmusikbeauftragter für Schleswig-Holstein wäre ein guter Start. Wir brauchen eine "Popakademie" und/oder eine Berufsfachschule für Popmusik. "Pop Baltica" im baltischen Festival-Reigen in Zusammenarbeit mit Kreativwirtschaft, NDR,etc. sollte initiiert werden.
Der Musikschulunterricht der Rock & Pop Schulen soll Eingang in den allg. Schulen erhalten und auch zum "Schultarif" bezahlt werden.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

Erstens: Errichtung einer Popakademie bzw. Berufsfachschule
Zweitens: Popmusik an den Schulen und Unterricht durch staatl. anerkannte Popmusiker
Drittens: Finanzielle Förderung der privaten Musikschulen durch Kommune bzw. Land

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Musiker sollten sich gewerkschaftliche organisieren (Verdi). Einen kreativen und künstlerischen "Krachmachtag" als bunte öffentliche Demo durchführen. Die Musikschulverbände und die organisierte Popmusik neu ausrichten.

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