Björn Tischler - Sonderpädagoge und Vorstandsmitglied im Bundesverband Musikunterricht

Foto: privat

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Das schleswig-holsteinische Musikleben zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt aus, angefangen bei Auftritten junger engagierter, auch behinderter Musiker/innen unterschiedlichster Musik-Genres (z.B. Schulen musizieren) bis hin zu international bekannten Festivals (wie Heavy Metal in Wacken) und hochkarätigen Wettbewerben (z.B. Jugend musiziert) sowie herausragenden Events, wie SHMF.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

Bereits im vorschulischen Bereich fehlen fachlich ausgebildete oder entsprechend interessierte Erzieher/innen, die die Kinder musikalisch (vor allem Singen) aktivieren (können). Dies zieht sich fort bis in die Grund- und weiterführende (Gemeinschafts-)Schule. Besondere Schwierigkeiten ergeben sich in inklusiven Klassen und Förderzentren, die musik-sonderpädagogischer Expertise bedürfen.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Die Musik-Ausbildung für Erzieher/inn/en und Lehrkräfte muss attraktiv(er) gemacht und gefördert werden, sowohl quantitativ wie inhaltlich-qualitativ, damit eine zumindest zufriedenstellende Unterrichtsversorgung gewährleistet und Entwicklungsförderung durch Musik (z.B. musikgeleitete Sprachbildung) möglich ist.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

Verstärkte Ausbildung von Musik-Fachlehrkräften.

Verbesserte Unterrichtsversorgung, vor allem in inklusiven Klassen.

Stärkung / Bestandsgarantie des Mangelfaches Musik.

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Stärkung der Musik-Lehramtsausbildung, an der Universität Flensburg, in den Berufsschulen (Erzieherinnen) mit zusätzlichen musik-sonderpädagogischen/inklusionsorientierten Inhalten (siehe MHLübeck) sowie in der musik-sonderpädagogischen Fachausbildung (2.Phase/IQSH), die es a. wegen Bedeutung und Möglichkeiten in der  Inklusion beizubehalten gibt.

In jeder Grundschule muss es mindestens eine ausgebildete Musiklehrkraft und in inklusiven Klassen musik-sonderpädagogische Beratung und Unterstützung geben.

Das Fach Musik muss für Schüler/innen durchgängig angeboten werden, mit der Möglichkeit, es auch spezifisch von entsprechend musik-sonderpädagogisch ausgebildeten Lehrkräften entwicklungsfördernd einzusetzen zu können (z.B. für die Förderschwerpunkte Sprache, emotionale und soziale Entwicklung)

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