Anne Hermans - Geschäftsführerin "musiculum"

Foto: musiculum

Welche besonderen Merkmale hat aus Ihrer Sicht das schleswig-holsteinische Musikleben?

Das Musikleben in Schleswig-Holstein ist sehr vielfältig und das ist gut. Es gibt viele ehrenamtliche und hauptamtliche Akteure, die mit sehr viel Enthusiasmus erfolgreich Musikprojekte vorantreiben. Das Defizit in der Bildungslandschaft spiegelt sich aber auch im Musikleben: Kinder aus bildungsfernen Haushalten sowie soziale Randgruppen können  die Angebote – von kostenpflichten Veranstaltungsbesuchen bis  Musikunterricht - nur beschränkt bzw. gar nicht wahrnehmen.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich für Sie beim Musizieren / bei Ihrem musikalischen Engagement?

Private Institutionen wie das musiculum (getragen durch die Stiftung Jovita), die keine öffentlich institutionelle Förderung erhalten, können nur begrenzt nachhaltig arbeiten. Ihre Arbeit ist an Projektmittel gebunden. Projekte  für sozial- und  bildungsbenachteiligte  Kinder und Jugendlichen, die bei der Arbeit im musiculum auch im Fokus stehen, unterliegen damit einer finanziellen und zeitlichen Beschränkung, was auf Dauer wenig ziel führend für die Gesellschaft und Musikbildung ist.

Wo sehen sie für Ihre musikalische Arbeit den wichtigsten Veränderungsbedarf?

Das musikalische Konzept des musiculums ist einzigartig in der Musiklandschaft Schleswig-Holsteins und es ist überaus erfolgreich. Da es Stiftungen zurzeit aber sehr schwer haben und sie finanziell schlecht aufgestellt sind, sind wir gezwungen, die musikalische Arbeit anders zu gestalten und zwar auf Kosten der musikalischen Qualität. Hier sehe ich den größten Handlungsbedarf. Qualität und Nachhaltigkeit müssen gesichert werden.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Forderungen an eine neue Landesregierung zur zukünftigen Unterstützung des Musiklebens in Schleswig-Holstein?

Offenheit für neue musikpädagogische Konzepte. Nicht nur alt bewährte, sondern auch neuere innovative Projekte und Institutionen verdienen langfristige Wertschätzung und finanzielle Unterstützung.

Bessere Musikförderung von Kindern und Jugendlichen  in Kitas und Schulen.

Bessere Vernetzung von Schule und Musik bzw. Kita und Musik sowie Wirtschaft und Musik.

Bessere musikalische Unterstützung und Förderung von Subkulturen und Menschen, die „sozial- und bildungsbenachteiligt“ sind.

Haben Sie konkrete Vorschläge für politische Maßnahmen, um diese Forderungen umzusetzen?

Vernetzung bzw. Kooperation des Kulturministeriums mit dem Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialministerium bzw. mehr Einfluss des Kultusministeriums auf die oben genannten Ministerien.

Umschichtung der Mittel zugunsten neuerer Projekte oder Aufstockung der Mittel für das Musikleben in Schleswig-Holstein.

Mehr Anerkennung und Wertschätzung für das, was in der Musiklandschaft Schleswig-Holsteins  passiert. Förderung der sozial- und Bildungsbenachteiligten, aber auch von Talenten im musikalischen Bereich.

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